Ruhe, Warten und Orientierung | Snüffelsnuut – Hundeerziehung – Alessandra Seifert
Wenn ein Welpe einzieht, beginnt eine besondere Zeit. Alles ist neu, vieles entwickelt sich erst, und jeden Tag gibt es etwas zu entdecken. Für den jungen Hund ebenso wie für uns Menschen. Im Alltag entstehen dabei unzählige kleine Lernmomente. Beim Warten vor der Haustür, beim Beobachten im Park, beim Spielen im Wohnzimmer oder beim gemeinsamen Unterwegssein. Auch Ruhepausen gehören dazu. Welpen lernen ständig. Nicht nur in Übungssituationen, sondern vor allem in den vielen kleinen Momenten des Zusammenlebens. Viele Fähigkeiten, die später einen fröhlichen und ausgeglichenen Hund ausmachen, wachsen genau dort. Schritt für Schritt, im ganz normalen Alltag.
Ruhe lernen
Viele Welpen müssen Ruhe erst lernen. Dazu gehört zum Beispiel:
– auf der Decke liegen bleiben
– beobachten statt mitmachen
– nach Spiel oder Spaziergang wieder herunterfahren
Auch in ruhigen Momenten findet Lernen statt.
Die Welt beobachten
Welpen müssen die Welt kennenlernen. Dabei kann es hilfreich sein, wenn sie auch lernen:
– Reize einfach zu beobachten
– nicht sofort zu jedem Hund oder Menschen zu laufen
– Eindrücke in Ruhe aufzunehmen
Kurze, ruhige Beobachtungsphasen können sehr wertvoll sein.
Warten können
Im Alltag gibt es viele kleine Momente des Wartens:
– bevor die Haus- oder Autotür aufgeht
– an der Bordsteinkante
– bevor das Futter kommt
– wenn Besuch hereinkommt
– bevor der Spaziergang beginnt
Welpen können dabei lernen, dass nicht alles sofort passiert. Kurze Wartezeiten helfen ihnen, mit Erwartung und Aufregung umzugehen.
Frustration aushalten
Im Alltag läuft nicht immer alles so, wie der Welpe es sich wünscht. Kleine, gut dosierte Situationen können ihm dabei helfen, wie:
– ein Spielzeug ist nicht erreichbar
– der Mensch beschäftigt sich gerade mit etwas anderem
– ein anderer Hund ist sichtbar, aber kein Kontakt möglich
Solche Erfahrungen unterstützen die Entwicklung von Frustrationstoleranz.
Impulse kontrollieren
Viele Situationen im Alltag erfordern ein kurzes Innehalten, beispielsweise:
– nicht sofort zur Tür stürmen
– nicht direkt losrennen
– beim Anleinen ruhig bleiben
Diese Fähigkeiten entwickeln sich oft ganz nebenbei, wenn der Alltag ruhig und klar gestaltet wird.
Orientierung am Menschen
Ein wichtiger Bestandteil des Zusammenlebens ist die Orientierung am Menschen:
– beim Spaziergang gemeinsam unterwegs sein
– Richtung und Tempo des Menschen annehmen
– gemeinsam die Umgebung erkunden
– angemessener Radius im Freilauf
Neben all diesen kleinen Lernmomenten gibt es zwei Dinge, die für Welpen besonders wichtig sind:
Spielen und Schlafen
– Spielen (besonders mit seinen Menschen): für die soziale Entwicklung und Körpergefühl
– Schlafen: für die Verarbeitung von Eindrücken, Kraft tanken und für das Lernen
Viele dieser kleinen Situationen wirken im Alltag zunächst ganz unscheinbar. Ein Welpe, der sich auf seiner Decke zusammenrollt, ein Moment des Wartens vor der Haustür oder eine Pause beim Spaziergang, um die Umgebung in Ruhe zu betrachten.
Zwischen Spielen, Schlafen, Beobachten und Entdecken wiederholen sich solche Momente jeden Tag, immer wieder ein bisschen anders. Und ganz nebenbei wächst daraus mit der Zeit vieles von dem, was später selbstverständlich wirkt. Ein Hund, der sich in seiner Welt zurechtfindet, der sich an seinem Menschen orientiert und der das gemeinsame Leben gelassen und fröhlich begleitet.
Manchmal beginnt all das einfach mit einem Welpen und einem Menschen, die kurz stehen bleiben und sich gemeinsam einen Moment Zeit nehmen, um in Ruhe die Welt anzuschauen.
… von Alessandra