2. Teil: Freundlichkeit unter Hundemenschen – Begegnungskultur auf dem Prüfstand
Wenn wir mit unseren Hunden unterwegs sind, begegnen wir nicht nur fremden Hunden, sondern auch anderen Menschen mit all ihren Haltungen, Geschichten und Erfahrungen. Und genau das macht Hundebegegnungen zu einem hochsozialen Geschehen, das weit über das Verhalten der Hunde hinausgeht. Genau dort zeigt sich, wie hilfreich eine freundliche Haltung sein kann. Nicht im Sinne eines oberflächlichen Nettseins, sondern als bewusste Form von Respekt und Rücksicht.
Im ersten Teil (Freundlich zu mir selbst und meinem Hund) ging es darum, wie wir mit uns selbst umgehen und wie unsere innere Einstellung den Umgang mit unserem Hund prägt. Diese Einstellung nehmen wir auch mit in die Begegnungen mit anderen Mensch-Hund-Teams. Und genauso bringt das Gegenüber etwas mit. Zwei Geschichten treffen aufeinander. Zwei individuelle Tage. Zwei innere Zustände, die sich zufällig auf einem Weg begegnen.
Begegnungskultur – wie wir einander wahrnehmen
In Begegnungen handeln wir oft bereits automatisch, noch bevor wir bewusst (re)agieren. Ein kurzer Blick, ein kurzes Zögern, die Leine kürzer nehmen oder der Gedanke „Ach nee, heute nicht auch noch das…“. Vieles davon läuft unbewusst und nebenbei ab und hat dennoch Wirkung. Auf uns selbst, auf unseren Hund und auf das andere Mensch-Hund-Team.
Gedanken oder Bemerkungen wie „So langsam müsste er seinen Hund mal im Griff haben“ oder „Kann man nicht kurz warten oder ausweichen“ können eine Situation beeinflussen. Manchmal bleiben sie unausgesprochen, manchmal werden sie geäußert. Dabei kann Spannung entstehen, ohne dass sie beabsichtigt ist.
Zusätzlich spielen verschiedene Bedingungen eine Rolle. Dazu gehören zum Beispiel enge Wege, fehlende Ausweichmöglichkeiten, unübersichtliche Ecken, Lärm, Hektik oder die eigene Müdigkeit. Es sind äußere und innere Faktoren, die unser Verhalten prägen, oft ohne dass uns das in dem Moment bewusst ist.
Wenn wir all das mitberücksichtigen, wird verständlicher, warum auch kleine Momente etwas in uns auslösen können. Und ebenso bei der anderen Person, die ihren eigenen Rucksack mitbringt.
Innere Prozesse auf beiden Seiten
Unser Verhalten ist geprägt von dem, was wir erlebt, erwartet, erinnert und gelernt haben. Diese Einflüsse wirken darauf, wie wir Situationen einschätzen und wie wir handeln. Wer schwierige Begegnungen hinter sich hat, kann vorsichtiger wirken oder vorsichtiger handeln. Wer früher kritisiert wurde, reagiert möglicherweise sensibler auf Blicke. Und wer einen anstrengenden Tag hatte, hat weniger Raum für Offenheit.
Das gilt für uns und genauso für das Gegenüber. Auch dort wirken Erlebnisse, Erwartungen, Erinnerungen und erlernte Muster. Vieles, was auf den ersten Blick wie Unfreundlichkeit oder Ablehnung wirkt, kann schlicht Ausdruck von Anspannung, Unsicherheit oder Erschöpfung sein.
Es ist für die Situation meist nicht hilfreich, sofort das Schlechteste anzunehmen. Ein Moment Abstand zum ersten Eindruck kann eine Begegnung auf beiden Seiten leichter machen.
Praktische Freundlichkeit im Alltag
Freundlichkeit heißt nicht, sich auf jede Begegnung zu freuen. Und sie heißt auch nicht, unbegrenzt offen zu sein. Sie bedeutet, respektvoll zu bleiben und rücksichtsvoll zu handeln. Meinem Hund, mir selbst und dem anderen Team Raum für die jeweilige Situation zu lassen.
Wenn wir weniger bewerten und den Blick auf das richten, was die Situation tatsächlich erfordert, entsteht oft Entlastung. Es kann hilfreich sein, beim Wesentlichen zu bleiben und keine zusätzlichen Bewertungen hinzuzufügen.
Freundlichkeit zeigt sich im Alltag oft in kleinen Dingen. Ein rücksichtsvolles Ausweichen, ein wohlwollender Blick, ein ruhiges Weitergehen oder der Gedanke, dass das Gegenüber gerade sein Bestes gibt. Solche einfachen Handlungen können Begegnungen angenehmer machen und vielen Hunden helfen, sich besser zu orientieren.
Gedanke zum Schluss
Freundlichkeit ist klug. Denn sie wirkt. Auch zwischen Menschen, die sich nur für wenige Augenblicke begegnen. Sie schafft Raum für Verständnis statt für schnelle Urteile und kann Begegnungen für viele Hunde erleichtern, weil sie nicht zusätzlich zwischen menschlichen Spannungen stehen.
So entsteht eine Begegnungskultur, in der sich Menschen und Hunde sicherer fühlen. Freundlichkeit ist nichts, das man irgendwann einfach kann. Sie braucht tägliches Üben. Aber sie lohnt sich. Jeden Tag.
Härte baut Mauern. Freundlichkeit baut Brücken. Kind is clever.
… von Alessandra
